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ewigkeit.culture...
Elke Panke
Literatur
Taschenbuch "Am Ende des Sommers", Liebesgeschichten:
Romantisch. Prickelnd. Spannend.
Preis: 14 €, Titelfoto:: Barbara Schwerdorf

Taschenbuch "Ich war einmal", 50 Kurzgeschichten,
Preis: 14 €, Illustrationen: Elke Panke

Inspiration pur!

Manches sieht man auf den ersten Blick, anderes wird ausgeblendet.
Und bisweilen genügt ein flüchtiger Gedanke, ein Text, ein Gedicht oder eine
kleine Geschichte - und plötzlich erkennen wir, dass wir etwas Wesentliches
übersehen haben.
Meine eigenhändig liebevoll farbig illustrierten Lookbooks „Buntes Leben“ und
„Menschenskinder“, Jahresbegleiter (ohne Jahreszahl), zum Aufhängen in DIN-A-4-Größe,
verzaubern das Alltagsgrau und schenken Ihnen bunte Gute-Laune-Tage!
Preis pro Lookbook: 10 €, Bestellung unter: elkepanke@web.de

Foto-Lookbook "SichtWeise",
Texte: Elke Panke
Fotografien: Barbara Schwerdorf
Preis: 12 €, Bestellung unter elkepanke@web.de

Oskar und der liebe Herr Gongel

Oskars Lieblingstante Vroni lag in dem großen weißwandigen Zimmer mit der Nummer 7 ganz alleine, still und blass. Sie schlief. Wie schmal sie geworden ist! dachte Oskars Vater und strich seiner Schwester Veronika liebevoll eine schweißverklebte Haarsträhne aus der Stirn.
Zuerst hatte er Oskar zum Besuch seiner Tante nicht mitnehmen wollen. Die Ärzte hatten ihm nämlich gestern am Telefon erklärt, die beidseitige Lungenentzündung seiner Schwester verlaufe äußerst schwerwiegend, die Antibiotika schlügen nur unzureichend an, die Krise sei keinesfalls überwunden und es bestünde durchaus Lebensgefahr.
Aber Oskar hatte ihm keine Ruhe gelassen: „Ich will mit! Herr Gongel sagt, dass Tante Vroni wieder ganz gesund wird. Das soll ich ihr sagen. Das ist für Tante Vroni überlebenswichtig, sagt Herr Gongel … wo sie doch so alleine ist!“
„Tante Vroni ist nicht alleine, sie hat uns! Und wer, um Himmels Willen, ist Herr Gongel?“
„Herr Gongel sitzt manchmal auf der gelben Bank in dem kleinen Park vor unserer Schule. Das ist seine Lieblingsbank, sagt Herr Gongel.“
Oskars Vater hatte geschmunzelt und seinem Sohn, ein wenig zu ihm hinuntergebeugt, direkt in die Augen gesehen: „Was hältst du davon, wenn wir diesen Herrn Gongel morgen früh im Park besuchen? Dann kannst du uns einander vorstellen.“
Oskar hatte den Kopf geschüttelt: „Das geht leider nicht, Herr Gongel ist unsichtbar. Aber ich kann ihn sehen!“
Daraufhin hatte Oskars Vater die Stirn gerunzelt und bedächtig den Kopf geschüttelt: „Mein Sohn, kann es sein, dass dieser Herr Gongel lediglich in deiner Fantasie existiert?“
Oskar war ärgerlich geworden: „Ich bin zwölf, Papa!“ Herrn Gongel bilde ich mir nicht ein. Den gibt’s wirklich. Ich schwöre. Vielleicht ist er ein Zeitreisender oder so!“
„Na gut, mein Sohn. Wie sieht denn dein Herr Gongel überhaupt aus?“ Oskar hatte gegrinst: „Beinahe wie ein Penner!“
Oskars Vater war sehr wütend geworden: „Penner sagt man nicht. Das ist schäbig und deiner nicht würdig, Oskar. Es gibt Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - in ihrem Leben gestrauchelt sind, und hierüber zu urteilen steht uns nicht zu. Schreibe dir das gefälligst hinter die Ohren!“
„Herr Gongel ist ja gar kein …, also er sieht nur ein bisschen strubbelig und unrasiert aus. Und der trägt einen ollen Anzug mit Flicken an den Ellenbogen, und ziemlich ausgetretene Kähne … ähm, Schuhe. Aber er hat ganz blaue Augen, mit denen kann er bis zum Grund meiner Seele blicken. Echt! So blaue Augen habe ich noch nie gesehen. Und der kennt super Witze!“
Oskars Vater hatte geseufzt und mit den Augen gerollt: „Gut, du darfst mitkommen. Aber denke daran, dass deine Tante keine Aufregungen verträgt, verstanden?!“
Und jetzt standen sie beide schweigend vor Tante Vronis Krankenbett. In ihrem linken Handrücken steckte eine Kanüle. Zwei Kabel führten von ihrem Bett aus hin zu zwei Monitoren, die an der Wand auf einem Brett standen. Eine junge Krankenschwester betrat das Zimmer. Sie nickte kurz zur Begrüßung. Dann überprüfte sie die Leitungen und die Monitore, wechselte die Infusion und stellte die Tropfgeschwindigkeit ein.
„Ihr Puls ist schwach, aber regelmäßig, das Fieber ist auch etwas gesunken!“, sagte sie leise und lächelte beruhigend. „Danke!“, flüsterte Oskars Vater. Mit einem schnellen Blick auf ihr Namensschildchen, das an dem Kragen ihres strahlend weißen Kittels geheftet war, ergänzte er allerdings hastig: „… Schwester Isa!“ Schwester Isa lächelte wieder, strich Oskar flüchtig über das Haar und ließ die beiden mit der Patientin allein.
Oskar blickte seinen Vater fragend an. Der nickte nur kurz, und Oskar beugte sich zu seiner Tante hinunter, küsste sie vorsichtig auf beide Wangen und flüsterte ihr ins Ohr: „Herr Gongel sagt, dass du wieder ganz gesund wirst, Tante Vroni. Er sagt, dass du stark bist und dass du im Sommer mit uns in die Ferien fährst!“
Da öffnete seine Tante die Augen: „Oskar?“
„Ja, Tante Vroni, und Papa ist auch hier!“
Oskars Vater trat näher an das Krankenbett seiner Schwester: „Guten Tag, meine Liebe. Alles wird gut!“ Seine Stimme zitterte kaum merklich. Die zurück gehaltenen Tränen brannten in seinem Hals.
Oskar lachte leise: „Herr Gongel sagt, du bist eine Kämpfernatur, stur und hart im Nehmen, dass ein Mann an dir verloren gegangen ist, und dass ohne dich die Welt nicht mehr so bunt wäre. Das soll ich dir sagen, weil du das manchmal vergisst. Dein größter Wunsch ist übrigens bei ihm angekommen. Der ist so gut wie erfüllt, sagt Herr Gongel. Du musst nur noch gesund werden! Und einen lieben Gruß soll ich dir von ihm bestellen.“
Tante Vroni schob mühsam ihre rechte Hand unter der Bettdecke hervor, legte sie auf die kühle Bettdecke und lächelte: „Wenn Herr Gongel derjenige ist, für den ich ihn halte, dann sag ihm bitte, dass ich mein Versprechen einlösen werde, sobald ich wieder zu Hause bin. Er weiß schon, was ich meine!“
Oskars Vater starrte seine Schwester und seinen Sohn abwechselnd verständnislos an: „Herrgott nochmal, wer ist eigentlich dieser vermaledeite Herr Gongel?“
Oskar blickte seinen Vater ernst an: „Herr Gongel sitzt manchmal auf der gelben Bank im Park vor meiner Schule. Beim nächsten Mal, also wenn ich ihn wiedersehe, frage ich ihn einfach, ob er vielleicht ein Knastbruder ist!“
Sein Vater hob abwehrend die Hände und lachte: „Um Gottes Willen, Oskar, lass das lieber!“
Tante Vroni schloss müde ihre Augen „Lieber Herr Gongel! Lieber, lieber Herr Gongel!“, flüsterte sie kaum hörbar und schlief mit einem ermatteten, aber glücklichen Lächeln ein.
Und Herr Gongel? Der ließ sich nicht mehr blicken, jedenfalls nicht auf seiner gelben Lieblingsbank im Park vor Oskars Schule.

© Elke Panke
Jahrgang 1957, lebt in Moers. Erste Geschichten mit 12 Jahren, angeregt durch die Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert. Seit dem Jahre 2000 erfolgreiche Lesungen, Veröffentlichungen in Zeitungen sowie Interviews (Bürgerfunksendungen), Radio Kreis Wesel, Literaturpreis. Mit Kopf und Herz widmet sie sich den vielgestaltigen Aspekten des Lebens. Auf die Frage, woher sie ihre Inspiration für ihre Geschichten erhalte, antwortet Elke Panke: „Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, fühlt sich überall und jederzeit inspiriert. Ich schreibe, weil mich Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit zutiefst erschrecken, und wenn die eigene Bequemlichkeit oberste Priorität besitzt, finde ich das überaus beängstigend. Aber das Leben ist ein Wunder – und Menschen sind wundersam.“

2000 Literaturpreis, Rheinberg
Veröffentlichungen in Zeitungen etc.
Interviews Bürgerfunk, Radio Kreis Wesel