Die Komische Oper Berlin ...
Von dem Theaterbau, den die Wiener Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner 1892 errichteten, und der zunächst das »Theater Unter den Linden« beherbergte, ist heute nur noch der Zuschauerraum übrig geblieben. Das »Metropol-Theater«, das hier ab 1898 angesiedelt war und vor dem ersten Weltkrieg wegen seiner berühmten »Metropol-Revuen« und nach 1918 als Operettentheater bekannt war, wurde im zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen, wobei der Eingangsbereich völlig zerstört wurde.
Im Jahr 1947 begann mit der Gründung der »Komischen Oper« durch den österreichischen Regisseur Walter Felsenstein und der Eröffnung am 23. Dezember mit Johann Strauß Operette »Die Fledermaus« ein neues Kapitel in der Geschichte des Gebäudes. Der Name des Hauses verweist auf die Tradition der französischen »Opéra comique« und die von dieser inspirierten ersten Berliner Komischen Oper unter Hans Gregor an der Weidendammer Brücke (1905-1911). Mit der Arbeit Walter Felsensteins, der bis zu seinem Tode 1975 Intendant und Chefregisseur des Hauses war, erlangte die Komische Oper weltweite Anerkennung als Geburtsstätte des modernen Musiktheaters.
Einige der Inszenierungen Felsensteins, die heute fast legendären Ruhm genießen sind Offenbachs »Hoffmanns Erzählungen« und »Ritter Blaubart« sowie Verdis »La Traviata«. Zu den namhaften Dirigenten, die das 1947 unter Leo Spies gegründete Orchester der Komischen Oper im Laufe der folgenden Jahre leiteten, zählten Otto Klemperer, Václav Neumann und Kurt Masur.
Zwischen 1965 und 1966 wurde das Haus umfangreich modernisiert. Nach Entwürfen des Architekten Kunz Nierade wurde die Fassade neu gestaltet, und es entstand das neue Funktionsgebäude. Das Haus wurde am 4. Dezember 1966 mit Mozarts »Don Giovanni« in der Inszenierung Walter Felsensteins wiedereröffnet.
Nach dem Tode des Begründers der Komischen Oper war sein Schüler Joachim Herz von 1976 bis 1980 Intendant und Chefregisseur des traditionsreichen Hauses. Harry Kupfer trat sein Amt als Chefregisseur 1981 mit seiner gefeierten Inszenierung von Richard Wagners »Meistersinger von Nürnberg« an.
Seit der Saison 2002/03 ist Andreas Homoki neuer Chefregisseur des Hauses. Zur Seite steht ihm Kirill Petrenko als Generalmusikdirektor. Das neue Leitungsteam ist bestrebt, die Komische Oper Berlin auf der Basis von Felsensteins Vision eines kraftvoll in die Gesellschaft hineinwirkenden Musiktheaters zu erneuern. Die ersten beiden Spielzeiten unter Andreas Homokis Leitung belegen dies exemplarisch vor allem an der Auswahl der Regisseure, die hier arbeiten. Die Komische Oper Berlin, von der wesentliche Impulse für die Entwicklung des Musiktheaters ausgingen, will heute die Wirkung dieser Impulse aufzeigen, indem sie die ganze Breite des Spektrums zeitgenössischer Regiehandschriften präsentiert. So ist es gelungen, Regisseure wie Peter Konwitschny, Hans Neuenfels, Willy Decker, Calixto Bieto und Barrie Kosky langfristig an das Haus zu binden. Seit der Spielzeit 2004/05 ist Andreas Homoki Chefregisseur und Intendant des Hauses. Unter ihm wird die Komische Oper Berlin im September 2007 ›Opernhaus des Jahres‹, Kirill Petrenko ›Dirigent des Jahres‹ und die Chorsolisten ›Chor des Jahres‹ so das Ergebnis der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift »Opernwelt« für die Spielzeit 2006/07.
Kirill Petrenko verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2006/07. Carl St. Clair wird designierter Generalmusikdirektor des Hauses ab der Spielzeit 2008/09 bis Sommer 2010. Mit der Spielzeit 2010/11 ist Patrick Lange neuer Chefdirigent.
Das Repertoire des Hauses umfasst heute ein breites Spektrum von Opern des 18. Jahrhunderts bis zu Schlüsselwerken unserer Zeit und Uraufführungen. Dass alle Opern in deutscher Sprache aufgeführt werden, stellt heute eine Besonderheit im internationalen Opernbetrieb dar. Auch diese künstlerische Grundentscheidung geht auf Walter Felsenstein zurück und ist Ausdruck seines Strebens nach Verständlichkeit und unmittelbarer Wirkungskraft des theatralischen Ereignisses, das bis heute für die Arbeit der Komischen Oper Berlin verbindliche Richtschnur geblieben ist.
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