kultur datenbank

Suche

Eine Kooperation von:
Logo der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Bernd Neumann, MdB
Logo Stiftung kulturserver.de gGmbH
VERANSTALTUNGEN Premieren (/ Vernissagen) Ausstellungen Theater / Bühne Kinder / Familie KULTURSCHAFFENDE EINRICHTUNGEN VIDEOTHEK DIE KULTURDATENBANK DAS NETZWERK KULTURPORTAL HOME
 

diese Woche nächste Woche
DruckansichtDruckansicht

VERANSTALTUNGEN

13.09.2009 - 10.01.2010 | Duisburg
Ausstellung,Bildende Kunst


© 2009 VG Bild-Kunst, Bonn
Gerhard Hoehme

Beschreibung
Werkschau im MKM vom 13. September 2009 bis zum 10. Januar 2010

in Kooperation mit der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum und dem museum kunst palast

NRW ehrt Gerhard Hoehme (* 1920 Greppin b. Bitterfeld - 1989 Neuss-Selikum) mit einer umfangreichen Ausstellungskooperation. Unter dem gemeinsamen Titel „die Unruhe wächst“ würdigen das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum und das museum kunst palast das breite Spektrum seines künstlerischen Schaffens. In drei Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten wird 20 Jahre nach Hoehmes Tod und 50 Jahre nach dem Durchbruch der Abstraktion als „Weltsprache“ auf der documenta II sein Werk umfassend präsentiert. Hier hatte Hoehme erstmals die Gelegenheit, seine Arbeiten in einem großen, internationalen Kontext zu zeigen, obgleich er – der stets suchende, dem Experiment aufgeschlossene Künstler – schon damals informelle Bildkonzepte fortentwickelte und neue Wege beschritt.

Das Museum Küppersmühle gibt in einer großen, retrospektiv angelegten Werkschau Einblick in die wesentlichen Schaffensprozesse des Künstlers. Die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum zeigt bildplastische Werke Hoehmes aus eigenem Besitz. Das museum kunst palast präsentiert ein umfangreiches Konvolut von Arbeiten auf Papier aus der Gerhard und Margarete Hoehme-Stiftung, ergänzt um Zeichnungen und Druckgrafik aus der eigenen Sammlung.

Gerhard Hoehme hat in seinem eigenwilligen, vielschichtigen Werk die Grenzen des Bildes und des Bild-Raums stets aufs Neue befragt und erweitert. Mit seinen bildnerischen und plastischen Arbeiten, den Zeichnungen und Rauminstallationen leistete er einen entscheidenden Beitrag zur internationalen Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von Beginn an suchte Hoehme den Dialog zum Betrachter. „Relationen“ ist hier ein Schlüsselbegriff zum Verständnis des Künstlers, den es auch als zeitkritischen Denker und Verfasser zahlreicher Texte noch zu entdecken gilt, die sein ausgeprägtes Interesse an kunstsoziologischen und -politischen Themen bezeugen.
Mit Peter Brüning, Winfred Gaul, K.O. Götz, Bernard Schultze, Emil Schumacher u.a. war Gerhard Hoehme einer der maßgeblichen Protagonisten des deutschen Informel. Der gestischen Malerei der 1950er und frühen 1960er Jahre vermittelte er wichtige neue Impulse, u.a. durch die „Shaped Canvases“, die collageartigen Borken- oder die subtilen Schrift- und Strukturenbilder. Hoehme erforschte die materiellen Beschaffenheiten seiner Malmittel und ging in Bezug auf das traditionelle Format des Tafelbilds neue Wege. Schon früh interpretierte er das Bild als offenes, energetisches Feld, das sich auf die Umgebung hin ausdehnt.

Doch überlagert bis heute die Wahrnehmung der informellen Produktionsphase die Bedeutung seines späteren, überraschend experimentellen Werks. Es entwickelte sich konsequent aus den informellen Bildkonzepten heraus und entstand parallel zu Hoehmes langjähriger Tätigkeit als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, an der er von 1960-1984 lehrte. Sigmar Polke und Chris Reinecke zählten hier zu seinen ersten Studenten. Ab Mitte der 1960er Jahre begann Hoehme vermehrt, mit kunstfremdem Material zu experimentieren. Er machte Schnittmusterbögen oder Damasttischdecken zu Bildhintergründen, arbeitete mit industriellen Materialien wie Kunststofffolien und farbigen Polyethylenschläuchen (Hoehme: „Die Schnur ist die plastische Form des Heraklitschen Denkens.“). Seine Schnurplastiken, die heute auch im internationalen Vergleich neu positioniert werden sollten, entstanden vor dem Hintergrund eine von der Studentenrevolte stark polarisierten Gesellschaft der 1960er und 1970er Jahre.
Hoehmes Werke – weder eindeutig Bild noch Objekt – sind Materialisationen des „Dazwischen“. Sein gesamtes Schaffen kreist um das Knüpfen von Beziehungen – zwischen Bild, Betrachter und Raum, zwischen materieller und spiritueller Welt. Auch da, wo er später wieder zum eher klassischen Tafelbild zurückkehrte, setzte er Assoziationen wie „Kontakt“ oder „Verbindung“ ganz real in Form farbiger Plastikschnüre um, die am Bild befestigt sind. Vor dem Hintergrund des Zeitgeists der 1980er Jahre (Stichworte: „Hunger nach Bildern“; junge, „wilde“ Malerei), wird besonders anschaulich, wie beharrlich Hoehme seine Konzepte über die Jahre weiterentwickelt und mit neuer Expressivität aufgeladen hat.
(Text: Susanne Rennert, Kuratorin)

Zur Ausstellung erscheint bei DuMont ein umfangreicher Katalog zum Preis von EUR 25,- Euro.

„die Unruhe wächst“ ist der Titel eines Bildes von Gerhard Hoehme aus dem Jahr 1963.
kir