TeaserWie macht man Musik mit dem Computer - vier Komponisten mit vier Herangehensweisen
SynopsisEs hätte auch sicher 16 andere, weitere Arten gegeben, den Computer zu beschreiben, oder nicht den Computer selbst, denn der ist eine graue Kiste, sondern zu beschreiben, wie man Musik mit dem Computer machen kann, die man ohne seine Hilfe so nicht machen könnte. Wir haben uns für eine Auswahl von 4 Komponisten entschieden, verschieden und gegensätzlich in ihren Stilen und in der Art und Weise, wie sie sich des Computers bedienen.
Josef Anton Riedl ist ein Pionier der computergestützten Musik-Komposition. Von 1959 bis 1966 war er Leiter des „Siemens-Studio für elektronische Musik“, das eine Fülle analoger Klanggeneratoren über ein (frühes digitales) Lochstreifenlesegerät programmieren konnte. Ein Vorläufer des Computers, wenn man so will – dessen Funktionsweise uns Josef Anton Riedl in den voll betriebsfähigen Resten dieses Studios die im Deutschen Museum aufgebaut sind, demonstriert.
Hans Tutschku ist mehr als eine Generation jünger als Riedl und nutzt den Computer zur Klangsynthese (in diesem Fall das sog. phyiscal modelling), indem er in seinem Rechner das Schwingungsverhalten etwa von beliebig großen Kupferplatten simuliert, die während der Ausschwingphasen ihre Größe verändern oder zu einer Klaviersaite mutieren. Und diese Platten werden von 8 virtuellen Mikrophonen abgehört, die wie eine Karawane über deren Oberfläche wandern. - Zu hören über acht (reale) Lautsprecher, die dem Zuhörer das Gefühl vermitteln, mitten im Klanggeschehen der Kupferplatte oder Klaviersaite zu sitzen.
Hans Tutschku verwendet seinen Computer aber auch als Live-Instrument, welches auf eine vorher einprogrammierte Weise auf die Impulse (Lautstärke, Tonhöhen, etc. – es gibt viele Möglichkeiten), auf das Spiel live improvisierender (realer) Musiker reagiert. - Ein Zusammenwirken von Mensch und Technik, das Tutschku mit dem Ensemble für intuitive Musik Weimar schon zu DDR-Zeiten, genauer gesagt, seit 1982 praktiziert. Im Film ist das Ensemble mit Ausschnitten aus zwei Improvisationen vertreten, für zwei und für vier Musiker.
Luigi Ceccarelli legt auf die optische Komponente beim Musikhören wert, weswegen er seinen Kompositionen für Tonband und (mindestens) acht Lautsprecher meist noch live spielende Musiker hinzufügt (mit einem Knopf im Ohr). Für unseren Film spielt der Hornist Michele Fait „Respiri“ – ein Stück, das auf den Atemgeräuschen eben eines Hornes beruht, die Luigi Ceccarelli im Studio des Musikkonservatoriums in Perugia elektronisch bearbeitet und vergrößert hat. „Klangmikroskopie“ nennt er es selbst, und die Ergebnisse seiner Forschungen und meditativen Suche gibt er dann sozusagen an den lebenden Musiker zurück, der mit den Lautsprechern im Duo spielt. Beide Musiker, Tutschku und Ceccarelli, setzen also auf die Möglichkeiten von Klangbewegungen im Raum, die einen völlig anderen Höreindruck erzeugen als im klassischen Symphoniekonzert.
Hanspeter Kyburz – vierter im Bunde – komponiert zwar für echte Musiker, ein Freund der traditionellen konfrontativen Subjekt-Objekt-Aufstellung im Konzertsaal ist er ebenfalls nicht, und verteilt seine Ensembles (in unserem Fall das Klangforum Wien) überall im Raum, rund um den Zuhörer, damit er die beobachtende Distanz verliert. An der Herstellung der Partituren hat sein Computer mitgewirkt, dem er auf verschiedenen Ebenen, etwa für den Verlauf der musikalischen Großform oder für einzelne Klangobjekte, Algorithmen durchrechnen lässt. Die Zahlenkolonnen, die der Computer ausspuckt, werden in Synthesizerklänge, z.B. simulierte Geigen, umgerechnet. Vom Komponisten immer wieder korrigiert und verändert, bis es ihm gefällt und dann – per Hand, mit Papier und Bleistift – in die Partitur übertragen. Was dies mit dem „Voynich Cipher Manuscipt“ (aus der gleichnamigen Komposition für Instrumental- und Vokalensemble hören wir einige Ausschnitte), einem vermutlich barocken, in Geheimschrift verschlüsselten unentzifferten Alchimistentext zu tun hat, soll Hanspeter Kyburz am besten selbst erklären.